Offene Karten, offene Orte: Schülerinnen und Schüler erkunden die Barrierefreiheit in St. Wendel

Wie barrierefrei ist St. Wendel? Und wie können digitale Karten dabei helfen, Hindernisse sichtbar zu machen und Teilhabe zu ermöglichen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich gestern die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 12 des Gymnasiums Wendalinum im Rahmen des Projekts „Offene Karten, offene Orte“.
Gemeinsam mit den Projektbeteiligten von Smart City St. Wendel, dem Bürgerlabor, dem Gymnasium Wendalinum und Inklusion vor Ort machten sich die Jugendlichen in Kleingruppen auf den Weg, um die Barrierefreiheit an verschiedenen Orten in der Stadt zu überprüfen.

Barrierefreiheit vor Ort erleben
Die Erkundung führte die Schülerinnen und Schüler unter anderem durch die Bahnhofspassage, die Innenstadt sowie zu Eingängen von Banken und Geschäften. Auch verschiedene Hotels öffneten ihre Türen und ermöglichten den Jugendlichen einen Einblick in barrierefreie Zugänge und Zimmer.
Dabei ging es darum, genau hinzuschauen: Sind Eingänge stufenlos erreichbar? Welche Hindernisse können Menschen mit Mobilitätseinschränkungen im Alltag begegnen? Und worauf kommt es an, damit öffentliche Orte möglichst selbstständig genutzt werden können?

Das Projekt „Inklusion vor Ort im Landkreis St. Wendel“ wurde durch die beiden Projektkoordinatoren Jerôme Laubenthal (Lebenshilfe St. Wendel) und Anne Kiefer (Landkreis St. Wendel) vertreten. Jerome Laubenthal informierte die Schülerinnen und Schüler bereits im Vorfeld über das Thema Barrierefreiheit. Bei der Erkundung der Stadt wurden insgesamt fünf Kleingruppen gebildet, die jeweils von Projektbeteiligten begleitet wurden – darunter Anne Kiefer und Jerome Laubenthal sowie Vertreterinnen und Vertreter des Bürgerlabors und des Gymnasiums Wendalinum.
Durch die praktische Auseinandersetzung konnten die Jugendlichen ihre Umgebung aus einer neuen Perspektive kennenlernen und erfahren, dass Barrieren nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind.

Mit der Wheelmap Barrieren sichtbar machen
Ein wichtiger Baustein des Projekts ist die Wheelmap, eine digitale, weltweit nutzbare Karte für rollstuhlgerechte Orte. Sie ermöglicht es, Informationen zur Zugänglichkeit öffentlich zugänglicher Orte zu finden und eigene Informationen beizutragen. Ein einfaches Ampelsystem kennzeichnet, ob ein Ort rollstuhlgerecht, teilweise rollstuhlgerecht oder nicht rollstuhlgerecht ist.

Die Erkenntnisse aus der Erkundung können dazu beitragen, die Informationen zur Barrierefreiheit in St. Wendel zu ergänzen und bestehende Informationslücken sichtbar zu machen. So entsteht Schritt für Schritt eine bessere digitale Orientierung für Menschen, die bei der Planung ihrer Wege auf verlässliche Angaben zur Zugänglichkeit angewiesen sind.

Das ist im Alltag von großer Bedeutung: Wer ein Geschäft besuchen, einen Restaurantbesuch planen oder eine Übernachtung buchen möchte, sollte möglichst schon im Vorfeld einschätzen können, ob der jeweilige Ort zugänglich ist. Die Wheelmap kann dabei helfen, unnötige Umwege und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Wichtig ist dabei: Die Wheelmap bildet vor allem die Rollstuhlgerechtigkeit ab. Barrierefreiheit umfasst jedoch weit mehr als stufenlose Zugänge. Auch Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen sowie Menschen mit anderen Beeinträchtigungen begegnen im Alltag unterschiedlichen Barrieren, die bei der Gestaltung einer inklusiven Stadt berücksichtigt werden müssen.

Gemeinsam eine Stadt für alle gestalten
Das Projekt „Offene Karten, offene Orte“ verbindet digitale Möglichkeiten mit konkretem Engagement vor Ort. Die Jugendlichen setzen sich mit ihrer Stadt auseinander, lernen unterschiedliche Bedürfnisse kennen und entwickeln ein Bewusstsein dafür, wie wichtig barrierefreie Lebensräume sind.

Langfristig können die gesammelten Erkenntnisse dazu beitragen, Barrieren transparenter zu machen, die Informationslage zur Zugänglichkeit in St. Wendel zu verbessern und Ansatzpunkte für Veränderungen aufzuzeigen. Die digitale Dokumentation allein beseitigt zwar noch keine Hindernisse – sie schafft aber eine wichtige Grundlage, um Handlungsbedarfe zu erkennen und Verbesserungen anzustoßen.

Denn Inklusion bedeutet, dass alle Menschen möglichst selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dafür braucht es nicht nur bauliche Veränderungen, sondern auch Wissen, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, bestehende Strukturen zu hinterfragen.

Offene Karten, offene Orte – für mehr Sichtbarkeit, mehr Bewusstsein und eine Stadt, die allen Menschen offensteht.